Zwischen der ersten Schätzung und dem Preis, den Sie für eine ganze Serie zahlen, liegt ein einziger Messwert: die Taktzeit. Sie gibt an, wie viele Sekunden ein eingearbeiteter Werker an einem eingerichteten Montageplatz für eine Baugruppe braucht. Wird sie zu hoch angesetzt, zahlen Sie zu viel; wird sie zu niedrig angesetzt, kippt die Kalkulation und mit ihr die Sorgfalt am Platz. Dieser Beitrag erklärt, wie wir die Zeit vor dem Muster schätzen, beim Erstmuster messen und daraus einen Stückpreis machen, der für die ganze Serie gilt.
Was genau bedeutet Taktzeit in der Handmontage?
In der Linienfertigung bezeichnet Taktzeit oft die Zeit, in der ein Produkt die Linie verlassen muss, damit der Kundenbedarf gedeckt ist. In der Lohnmontage meinen wir etwas Einfacheres: die Arbeitszeit je Baugruppe an einem Platz, vom Griff zum ersten Teil bis zum Ablegen der fertigen Einheit im Gebinde. Nicht enthalten sind Wartezeiten, etwa das Aushärten eines Klebstoffs, und Tätigkeiten, die je Los anfallen – Behälter holen, Etiketten drucken, Protokoll schreiben. Diese Anteile stecken im Stundensatz oder werden gesondert geplant. Der Begriff ist im Lexikon genauer erklärt.
Wie schätzen wir die Taktzeit, bevor ein Muster da ist?
Für das erste Angebot zerlegen wir die Baugruppe anhand von Zeichnung und Stückliste in einzelne Handgriffe und setzen für jeden eine Vorgabezeit an:
| Handgriff | Vorgabe je Vorgang |
|---|---|
| Schraube setzen und anziehen | 6 s |
| Steck- oder Clipsverbindung | 3 s |
| Klebe- oder Dichtstelle | 8 s |
| Niet oder Einpressteil | 5 s |
| O-Ring oder Dichtung | 4 s |
| Fett- oder Ölstelle | 3 s |
| Vorkonfektionierte Leitung stecken | 4 s |
| Prüfmerkmal im Takt | 5 s |
| Typenschild oder Etikett | 6 s |
Dazu kommt ein Zuschlag für Greifen, Einlegen und Ablegen, der von Größe und Empfindlichkeit der Teile abhängt. Für eine Baugruppe mit vier Schrauben, zwei Prüfmerkmalen und zehn Sekunden Handling ergibt das 44 Sekunden. Diese Schätzung ist gut genug für ein Angebot und für die Frage, ob sich die Vergabe lohnt – für einen festen Preis reicht sie nicht, weil jede Baugruppe ihre Eigenheiten hat: eine schwer zugängliche Schraube, ein O-Ring, der sich gern verdreht, eine Rastung, die viel Kraft braucht.
Wie wird die Taktzeit beim Erstmuster gemessen?
Das Erstmuster liegt 2–5 Tage nach Wareneingang vor. In dieser Phase montieren die Werker, die später auch die Serie übernehmen, die ersten Baugruppen nach der Montageanweisung, und wir messen dabei in drei Stufen:
- Einarbeitung: Die ersten Stücke dienen dem Verstehen – sie sind langsam und gehen nicht in die Wertung ein.
- Zeitaufnahme: Danach stoppen wir mehrere Zyklen am Stück, notieren Ausreißer (heruntergefallene Schraube, klemmende Vorrichtung) getrennt und bilden den Mittelwert der regulären Zyklen.
- Abgleich: Der Mittelwert wird mit der Schätzung verglichen. Weicht er deutlich ab, suchen wir die Ursache – oft ist es ein Handgriff, der im Angebot fehlte, oder eine Vorrichtung, die umständliches Einlegen erzwingt.
Damit die Messung aussagekräftig ist, helfen drei Dinge auf Ihrer Seite: ausreichend Serienteile für mehrere Dutzend Zyklen statt nur einer Handvoll, die Hilfsstoffe in der Sorte, die auch später geliefert wird, und die Vorrichtung in dem Zustand, in dem sie in der Serie arbeitet. Wer dabei sein möchte, bekommt die Messung als Fotoserie mit Zeitangaben; die Zahlen stehen ohnehin im Bericht zum Erstmuster.
Gemessen wird immer mit den Teilen, Hilfsstoffen und Vorrichtungen, die auch in der Serie verwendet werden. Eine Zeit, die mit handverlesenen Musterteilen entstanden ist, hält im Alltag nicht.
Warum wird die Zeit nach den ersten Losen noch kürzer?
Jede Handmontage folgt einer Lernkurve: Nach einigen Stunden an derselben Baugruppe sitzen die Griffe, die Hände wissen, wo der nächste Behälter steht. Der Effekt ist bei Baugruppen mit vielen verschiedenen Handgriffen größer als bei einfachen Steckarbeiten. Deshalb legen wir die gemessene Zeit aus dem Erstmuster als Obergrenze für den Stückpreis fest und passen sie bei langen Serien im Gespräch an, wenn sich über mehrere Lose eine stabile, kürzere Zeit zeigt. Die tatsächliche Zeit je Los steht im Montageprotokoll – Sie müssen uns also nicht glauben, sondern können nachlesen.
Wie wird aus Sekunden ein Stückpreis?
Die Rechnung ist einfach: Sekunden je Baugruppe × Stundensatz ÷ 3.600. Für die Beispielbaugruppe mit 44 Sekunden ergibt der Hallensatz von 14,50 € – 19,00 € je Stunde:
| Größe | Wert |
|---|---|
| Taktzeit | 44 s |
| Arbeit je Baugruppe | 0,18 € – 0,23 € |
| Serie 10.000 Stück, Montagestunden | rund 122 |
| Arbeit gesamt beim Kalkulationssatz 16,50 € | 2.017 € |
| Einrichtung | 60 € |
| Transport, 3 Paletten hin und zurück, rund 300 km | 666 € |
| Gesamt / je Baugruppe | 2.743 € / 0,27 € |
Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster. Einrichtung und Transport werden im Angebot meist als eigene Positionen geführt, damit der Stückpreis für die Montage bei jedem Abruf gleich bleibt, egal wie groß das Los ausfällt. Eine Sekunde weniger Taktzeit bedeutet in diesem Beispiel rund 3 Montagestunden weniger in der Serie – deshalb lohnt sich jeder Gedanke an eine bessere Vorrichtung.
Was passiert, wenn die gemessene Zeit von der Schätzung abweicht?
Liegt die gemessene Zeit unter der Schätzung, sinkt der Stückpreis entsprechend. Liegt sie darüber, legen wir Ihnen die Messung mit Begründung vor: welcher Schritt länger dauert und warum. Oft gibt es dann zwei Wege. Entweder Sie akzeptieren den höheren Preis, oder es wird etwas geändert – eine einfache Aufnahme, die das Teil in Lage hält, eine andere Anlieferform der Normteile, ein Prüfmerkmal weniger. Erst mit Ihrer Freigabe des Erstmusters wird der Preis verbindlich. Einen Überraschungsaufschlag nach Serienstart gibt es nicht.
Wann ist die Abrechnung nach Stunden besser als ein fester Stückpreis?
- Kleine Lose unter einigen Hundert Stück, bei denen die Einarbeitung einen großen Teil der Zeit ausmacht.
- Umbauten an vorhandenen Baugruppen, bei denen jedes Stück anders aussehen kann – siehe Varianten und Länderversionen umbauen.
- Häufig wechselnde Varianten, die jeweils eine eigene Zeit hätten.
- Anläufe mit noch nicht stabilen Teilen vom Lieferanten.
In diesen Fällen rechnen wir nach Hallenstunden ab und weisen die Zeit je Los im Protokoll aus. Sie sehen dann nachträglich, welcher Stückpreis sich ergeben hätte, und können für die nächste Serie auf den festen Preis wechseln.
Wie beeinflusst die Taktzeit Kapazität und Liefertermin?
Aus Taktzeit und Stückzahl ergeben sich die Montagestunden, aus Stunden und Zahl der besetzten Plätze die Laufzeit. An unseren Standorten stehen bis zu 2.000 Arbeitsstunden am Tag zur Verfügung; begrenzend ist meist die Zahl der Vorrichtungen, nicht die Zahl der Werker. Wer eine zweite Vorrichtung beistellt, verdoppelt die mögliche Tagesleistung. Den eigenen Überschlag machen Sie im Montagerechner; wie sich die Kosten insgesamt zusammensetzen, zeigt der Beitrag Was kostet Serienmontage pro Stück?. Zum Einrichten des Platzes siehe Montageplatz einrichten, Vorrichtungen, Erstmuster.