Eine Baugruppe, die am Montageplatz korrekt aussieht, kann trotzdem fehlerhaft sein: ein Stecker, der nur halb eingerastet ist, eine Schraube ohne Anzug, ein O-Ring, der verdreht unter dem Deckel liegt. Genau diese Fehler lassen sich am besten dort finden, wo sie entstehen – im Montagetakt, solange die Stelle noch sichtbar und zugänglich ist. Dieser Beitrag beschreibt, welche Prüfungen an unseren Montageplätzen üblich sind, wie sie in die Taktzeit eingehen, was dokumentiert wird und wo die Grenzen einer Prüfung am Montageplatz liegen.
Warum wird im Takt geprüft und nicht erst am Ende?
Viele Fehler sind nach dem nächsten Arbeitsschritt nicht mehr zu sehen. Ist der Deckel verschraubt, sieht niemand mehr die Dichtung; ist die Leitung im Kanal verlegt, prüft niemand mehr, ob der Stecker eingerastet ist. Eine reine Endkontrolle müsste die Baugruppe wieder öffnen – teuer und selbst eine Fehlerquelle. Deshalb stehen die Prüfmerkmale in der Montageanweisung direkt bei dem Schritt, nach dem sie geprüft werden können. Der Werker prüft, bevor er weiterarbeitet. Zusätzlich zieht die Schichtleitung Zwischenkontrollen je Los, und vor dem Verschließen jedes Gebindes folgt die 100 % Ausgangskontrolle der von außen sichtbaren Merkmale.
Welche Prüfungen sind am Montageplatz üblich?
| Prüfung | Wie sie abläuft | Typische Fehler, die sie findet |
|---|---|---|
| Sichtprüfung | Vergleich mit dem Foto der Anweisung: Lage, Richtung, Sitz | Teil verkehrt herum, Dichtung gequetscht, Schild schief |
| Vollzähligkeit | Zählen gegen die Positionen der Anweisung, Zählschablone | fehlende Schraube, fehlende Scheibe, vergessener Clip |
| Steckprobe | leichter Zug an jeder Steck- und Rastverbindung | halb eingerasteter Stecker, nicht verriegelter Clip |
| Drehprobe | bewegliche Teile von Hand drehen; Stichprobe mit Drehmomentschlüssel | klemmende Welle, lose Schraube, falsche Anzugsreihenfolge |
| Durchgangsprobe | mit Ihrem Prüfadapter an vorkonfektionierten Leitungen | vertauschter Stecker, unterbrochene Verbindung |
| Lehre oder Schablone | mit Ihrer beigestellten Lehre: passt oder passt nicht | falsche Einbaulage, fehlendes Einpressteil |
Alle diese Prüfungen haben eines gemeinsam: Sie liefern ein klares Ja oder Nein, das ein eingewiesener Werker ohne Messwerte beurteilen kann. Das ist ihre Stärke – und zugleich ihre Grenze.
Lehren, Schablonen und Prüfadapter stellen Sie bei; wir nehmen sie beim Einrichten des Platzes auf, prüfen sie mit dem Erstmuster und geben sie nach Serienende zurück. Einfache Zählschablonen oder Positionshilfen fertigen wir auf Wunsch nach Ihrer Zeichnung als eigene Angebotsposition.
Wie funktionieren Steckprobe und Drehprobe genau?
Steckprobe: Nach dem Stecken einer Verbindung zieht der Werker mit geringer, gleichbleibender Kraft am Gegenstück. Ein korrekt verrastetes Teil bewegt sich nicht; ein halb gestecktes kommt entgegen. Bei Steckverbindern mit Sekundärverriegelung gehört die Kontrolle des Verriegelungsschiebers dazu. Hörbares Einrasten allein genügt nicht, weil es in einer Halle mit mehreren Plätzen leicht überhört wird.
Drehprobe: Sie hat zwei Formen. Bei beweglichen Teilen – Rad, Welle, Klappe, Ventilspindel – prüft der Werker, ob sie frei und ohne Klemmen laufen. Bei Verschraubungen kontrolliert die Schichtleitung stichprobenhaft mit dem Drehmomentschlüssel, ob die Schraube das Sollmoment hält. Wie die Schrauber dafür eingestellt werden, beschreibt der Ratgeber Verschrauben mit Drehmoment in der Handmontage.
Was wird am Montageplatz nicht geprüft?
Ebenso wichtig wie die Liste der Prüfungen ist die Liste dessen, was ein Montagedienstleister am Montageplatz nicht leisten kann. Wir arbeiten ohne Prüflabor und ohne Messmaschine. Im Einzelnen bedeutet das:
- keine Messung von Maßen und Toleranzen mit Messwerten – nur Lehren, die Sie beistellen, mit Gut-/Schlecht-Ergebnis,
- keine Werkstoff-, Festigkeits- oder Dichtheitsprüfung mit eigenen Anlagen,
- keine elektrische Sicherheitsprüfung – elektrische Proben nur als Durchgangsprobe mit Ihrem Adapter,
- keine Funktionsprüfstände Ihres Produkts ohne Ihre Einweisung und Freigabe.
Werden solche Prüfungen gebraucht, bleiben sie bei Ihnen oder bei einem Prüfdienstleister, und die Baugruppen gehen nach der Montage dorthin. Das sagen wir bei der Anfrage offen, statt eine Prüfung zu versprechen, die an einem Montagetisch nicht belastbar ist.
Wie viel Zeit und Geld kostet die Prüfung im Takt?
Jedes Prüfmerkmal setzen wir mit 5 Sekunden je Baugruppe an, beim Kalkulationssatz von 16,50 € je Stunde also 2,3 ct. Beispiel: Eine Steckbaugruppe mit vier Steckverbindungen, zwei Schrauben und vier Prüfmerkmalen – Sicht, Vollzähligkeit, Steckprobe, Drehprobe – kommt auf 56 Sekunden, davon 20 Sekunden Prüfung.
| Position | Wert |
|---|---|
| Taktzeit, davon Prüfung | 56 s, davon 20 s |
| 5.000 Baugruppen, Montagestunden | rund 78 |
| Arbeit gesamt | 1.283 € |
| Anteil der Prüfung an der Arbeit | 458 € |
| Gesamt mit Einrichtung und Transport, rund 300 km | 1.787 €, also 0,36 € je Baugruppe |
Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster. Die Prüfung macht in diesem Beispiel mehr als ein Drittel der Taktzeit aus. Deshalb lohnt es sich, gemeinsam festzulegen, welche Merkmale tatsächlich Ausfälle verhindern und welche nur „zur Sicherheit“ auf der Liste stehen.
Was passiert mit Baugruppen, die eine Prüfung nicht bestehen?
Fehlende oder beschädigte Beistellteile melden wir schon beim Wareneingang mit Foto; Baugruppen, die die Prüfung im Takt nicht bestehen, werden gesperrt, gekennzeichnet und im Montageprotokoll getrennt ausgewiesen. Ob eine gesperrte Baugruppe am Platz korrigiert werden darf – Stecker neu stecken, Dichtung neu einlegen –, legt Ihre Vorgabe in der Anweisung fest. Häufen sich Fehler an einem Merkmal, stoppt die Schichtleitung den Platz und sucht die Ursache: ein fehlerhaftes Beistellteil, eine verrutschte Aufnahme, eine missverständliche Anweisung. Betrifft der Befund Teile Ihres Lieferanten, erhalten Sie eine Meldung mit Fotos und Stückzahl, damit Sie reklamieren können.
Was steht im Montageprotokoll?
Je Los dokumentieren wir die Zahl der montierten, der geprüften und der gesperrten Baugruppen, die Sperrgründe nach Merkmal, die Ergebnisse der Zwischenkontrollen und Drehmoment-Stichproben, den Stand der Montageanweisung und Fotos der ersten Baugruppen und der verschlossenen Gebinde. Das Protokoll erhalten Sie als Excel- und PDF-Datei. Wir versprechen keinen Fehleranteil, sondern einen nachvollziehbaren Prozess: Erstmuster mit Freigabe, Montageanweisung, Prüfung im Takt, 100 % Ausgangskontrolle und Protokoll je Los. Wir sind nicht zertifiziert; unser Argument ist dieser nachvollziehbare Ablauf, nicht ein Siegel.
Wie legen Sie die richtigen Prüfmerkmale fest?
- Vom Fehler her denken: Welche Fehler hat Ihr Kunde bisher reklamiert? Genau dafür braucht es ein Merkmal.
- Prüfbar machen: Jedes Merkmal mit Foto „richtig“ und „falsch“; Formulierungen wie „sauber montiert“ helfen niemandem.
- Zeitpunkt festlegen: Nach welchem Schritt wird geprüft, solange die Stelle noch sichtbar ist?
- Umfang begrenzen: Vier bis sechs Merkmale je Baugruppe sind am Platz gut beherrschbar; mehr kostet Zeit und Aufmerksamkeit.
Mehr zum Montageschritt finden Sie unter Prüfen im Montagetakt. Braucht ein ganzer Bestand eine eigene Sichtkontrolle unabhängig von der Montage, bietet APOOL WERKE das als eigene Leistung an: Sortierung und Qualitätskontrolle auf apool.de. Ihre Prüfmerkmale schicken Sie mit Zeichnung und Stückliste über die Anfrage.