Eine Montageanweisung ist das Dokument, an dem sich jeder Werker am Montageplatz festhält: Welches Teil kommt zuerst, womit wird geschraubt, mit welchem Drehmoment, was muss nach dem Schritt sichtbar sein? Wer eine Montage auslagert, muss dieses Wissen aus den Köpfen der eigenen Mitarbeiter auf Papier – oder besser auf den Bildschirm – bringen. Je klarer die Anweisung, desto kürzer das Erstmuster, desto weniger Rückfragen und desto stabiler die Taktzeit. Dieser Leitfaden zeigt in sieben Schritten, welche Angaben hineingehören, was Sie liefern und was wir daraus am Montageplatz machen.
Was muss eine Montageanweisung für die Lohnmontage enthalten?
Die Anweisung beschreibt nicht das Produkt, sondern die Arbeit. Eine Zeichnung zeigt, wie die fertige Baugruppe aussieht; die Anweisung zeigt, wie man dorthin kommt. Folgende Bausteine haben sich bewährt:
| Baustein | Inhalt | Quelle |
|---|---|---|
| Kopf | Baugruppe, Sachnummer, Variante, Änderungsstand, Datum der Freigabe | Ihre Stammdaten |
| Teileübersicht | Positionen der Stückliste mit Foto, Menge je Baugruppe, Greifbehälter | Stückliste und Musterteil |
| Arbeitsfolge | nummerierte Schritte in fester Reihenfolge, je Schritt ein Foto | Ihre bisherige Montage oder Erstmuster |
| Werkzeug und Werte | Schrauber, Bit, Drehmoment, Anzugsreihenfolge, Presskraft laut Vorgabe | Zeichnung, Konstruktion |
| Hilfsstoffe | Klebstoff, Schraubensicherung, Fett – Sorte, Menge, Auftragsstelle | Zeichnung, Datenblatt |
| Prüfmerkmale | was nach welchem Schritt geprüft wird und wie | Ihre Qualitätssicherung |
| Fehlerbilder | Fotos „so nicht“: verdrehte Dichtung, fehlende Scheibe, falsche Lage | Reklamationen, Erfahrung |
| Kennzeichnung und Ablage | Typenschild, Etikett, Stück je Gebinde, Lage im Behälter | Logistikvorgabe |
Eine vollständige, fertige Anweisung erwarten wir nicht. Oft genügen Zeichnung, Stückliste, ein Musterteil und ein kurzes Telefonat – den Rest stellen wir beim Erstmuster zusammen und legen ihn Ihnen zur Freigabe vor.
Schritt 1: Welche Unterlagen bilden den Ausgangspunkt?
Am Anfang stehen die Zeichnung oder Explosionsdarstellung mit Positionsnummern und die Stückliste mit Teilenummern und Mengen je Baugruppe. Ideal ist zusätzlich ein fertig montiertes Musterteil aus Ihrer Serie und – falls vorhanden – eine interne Arbeitsanweisung, auch wenn sie nur als Skizze existiert. Achten Sie darauf, dass Zeichnung, Stückliste und Muster denselben Änderungsstand haben. Ein Muster mit altem Index ist die häufigste Ursache für ein zweites Erstmuster.
Schritt 2: In welcher Reihenfolge wird montiert?
Die Arbeitsfolge legt fest, was zuerst gefügt wird. Das klingt selbstverständlich, entscheidet aber über Qualität und Zeit: Wird ein O-Ring erst nach dem Einsetzen des Deckels eingelegt, klappt es nicht; wird eine Schraube angezogen, bevor der Gegenhalter sitzt, verspannt das Gehäuse. Gute Arbeitsfolgen haben drei Eigenschaften:
- ein Schritt, eine Handlung – „Deckel aufsetzen und verschrauben“ sind zwei Schritte,
- die Baugruppe bleibt möglichst in einer Lage, Umgreifen kostet Sekunden,
- Teile, die man später nicht mehr sieht, werden vor dem Verdecken geprüft.
Liegt keine Folge vor, montieren wir das Muster zerlegt nach und schlagen eine Reihenfolge vor. Sie entscheiden, ob sie Ihrer Konstruktionsabsicht entspricht.
Schritt 3: Wie werden Drehmomente und Werkzeug angegeben?
Für jede Verschraubung gehören in die Anweisung: Schraubentyp und Länge, Antrieb (Torx, Innensechskant, Kreuzschlitz), der Sollwert in Newtonmeter mit Toleranz und bei mehreren Schrauben die Anzugsreihenfolge. Unsere Druckluftschrauber lassen sich auf den geforderten Wert einstellen; mit einem Drehmomentschlüssel kontrollieren wir stichprobenhaft, ob die Einstellung hält. Fehlt ein Wert auf der Zeichnung, fragen wir nach – ein geschätztes Drehmoment tragen wir nicht ein. Details zu Einstellung und Kontrolle stehen im Ratgeber Verschrauben mit Drehmoment in der Handmontage.
Braucht ein Schritt eine Aufnahme oder eine Presse mit definierter Kraft, wird das ebenfalls vermerkt. Montagevorrichtungen, Lehren, Prüfmittel und Spezialwerkzeug stellen Sie bei – oder wir lassen nach Ihrer Zeichnung eine einfache Aufnahme als eigene Angebotsposition anfertigen; Druckluftschrauber mit einstellbarem Drehmoment, Handpressen und Montagetische sind an unseren Standorten vorhanden.
Schritt 4: Wie werden Klebstoff, Fett und Sicherung beschrieben?
„Etwas Fett auf den Dichtring“ lässt Spielraum, den niemand haben will. Besser: Fettsorte laut Datenblatt, Auftragsstelle mit Foto markiert, Menge als Tropfen, Raupe oder Punktgröße – notfalls mit einem Musterfoto zum Vergleich. Bei Klebstoffen und Schraubensicherungen zusätzlich die Aushärtezeit, bevor die Baugruppe bewegt oder geprüft werden darf. Diese Wartezeit geht in die Planung des Montageplatzes ein, nicht in die Taktzeit, und wird deshalb gesondert ausgewiesen.
Schritt 5: Welche Prüfmerkmale gehören in die Anweisung?
Prüfmerkmale stehen direkt beim jeweiligen Schritt, nicht als Liste am Ende. So prüft der Werker, solange die Stelle noch zugänglich ist. Typisch sind:
- Sicht: Teil vorhanden, richtig herum, Dichtung nicht gequetscht,
- Steckprobe: leichter Zug an Steck- und Rastverbindungen,
- Drehprobe: bewegliche Teile laufen frei, Schrauben sitzen,
- Durchgangsprobe: bei vorkonfektionierten Leitungen mit Ihrem Prüfadapter.
Jedes Merkmal kostet rund 5 Sekunden je Baugruppe. Deshalb lohnt es sich, gemeinsam zu überlegen, welche Merkmale tatsächlich Ausfälle beim Kunden verhindern. Was am Montageplatz geprüft werden kann und was nicht, erklärt der Ratgeber Prüfen im Montagetakt.
Schritt 6: Wie viele Fotos braucht eine gute Anweisung?
Mindestens ein Foto je Schritt, aufgenommen aus der Perspektive des Werkers – also von oben auf die Vorrichtung, nicht als Produktfoto von schräg vorn. Kritische Stellen werden markiert: ein Pfeil auf die Rastnase, ein Kreis um die Fettstelle. Dazu kommen Fotos der häufigsten Fehler, beschriftet mit „falsch“. Seit 2019 arbeiten wir mit elektronischen Arbeitsanweisungen: Die Anweisung läuft am Bildschirm direkt über dem Montageplatz, Schritt für Schritt, und lässt sich bei einer Änderung zentral austauschen, ohne dass irgendwo noch ein alter Ausdruck hängt.
Schritt 7: Wie wird die Anweisung freigegeben und geändert?
Die Anweisung gilt erst mit dem Erstmuster. Wir montieren die ersten Baugruppen genau nach dem Entwurf, dokumentieren jeden Schritt mit Fotos und schicken Ihnen Anweisung, Fotos und auf Wunsch die Muster selbst. Das Erstmuster liegt 2–5 Tage nach Wareneingang vor. Mit Ihrer schriftlichen Freigabe werden Anweisung und Muster verbindlich; gleichzeitig halten wir die gemessene Taktzeit fest.
Ändert sich später etwas – neue Schraube, anderer Lieferant für den Dichtring, geänderte Prüfvorgabe –, bekommt die Anweisung einen neuen Stand. Welche Lose nach welchem Stand montiert wurden, steht im Montageprotokoll. So lässt sich auch Monate später nachvollziehen, welche Baugruppen eine Änderung schon enthalten.
Was kostet die Erstellung der Montageanweisung?
Die Anweisung ist Teil der Einrichtung des Montageplatzes. Zusammen mit der Aufnahme Ihrer Vorrichtung und dem Erstmuster berechnen wir dafür einmalig 60 € – 180 € je Montageplatz. Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster. Wiederholaufträge nach derselben Anweisung kosten keine neue Einrichtung, solange sich der Stand nicht ändert.
Welche Fehler machen Montageanweisungen unbrauchbar?
- Unbestimmte Wörter: „fest anziehen“, „ausreichend Fett“, „leicht eindrücken“ – ohne Zahl oder Vergleichsfoto interpretiert jeder anders.
- Zu viele Schritte auf einem Bild: Ein Foto, das fünf Handgriffe zeigt, erklärt keinen davon.
- Fehlende Varianten: Bei mehreren Ausführungen muss jede Abweichung als eigener Schritt oder eigenes Blatt erscheinen, sonst landen Teile in der falschen Baugruppe.
- Kein Änderungsstand: Ohne Index weiß am Platz niemand, ob die Anweisung noch gilt.
Mehr zur Vorbereitung eines Montageplatzes finden Sie unter Montageplatz einrichten, den Begriff selbst im Lexikon unter Montageanweisung. Unterlagen schicken Sie über die Anfrage oder an info@apool.de.